Die Methode – Als Coach oder Therapeut stelle ich meinem Klienten die folgende Frage:

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen früh auf und Ihr Problem ist wie bei einem Wunder plötzlich gelöst, ohne dass Sie es mitbekommen haben. Sie wissen nicht, dass es gelöst ist, weil Sie ja geschlafen haben, während das Wunder geschehen ist. Woran merken Sie, dass es gelöst ist? Wo/wie spüren Sie es? Wer würde es sonst noch merken und woran?

Im Kern ist das alles, was für die Ausführung über diese Übung zu sagen ist. 😊 So einfach und doch so wirksam ist diese Methode.

Das Ziel ist, den Fokus auf die Lösung des Problems zu legen, indem der Klient sich vorstellt, wie das Leben NACH dem Problem bzw. OHNE das Problem aussieht. Zum einen kann der Klient auf diesem Pfad wieder positiver und mit mehr Klarheit in die Zukunft sehen und gleichzeitig erfährst Du, was die eigentlichen Bedürfnisse des Klienten in Bezug auf dieses Thema sind. Man spricht auch von dem Wunsch hinter dem Wunsch oder dem Bedürfnis hinter dem Bedürfnis. Antwortet ein Klient, der wegen chronischer Erschöpfung in Deine Praxis kommt, also z.B. „Dann würde ich am nächsten Morgen vom Wecker geweckt werden, ohne einmal wach geworden zu sein. Ich würde mich erholt und fit für den Tag fühlen.“, dann ist sein Bedürfnis hinter seinem Bedürfnis vielleicht endlich mal wieder durch zu schlafen oder keine Alpträume mehr zu haben.

So einfach die Übung eigentlich ist, gibt es doch ein paar Dinge, die Du beachten solltest:

  1. Wer ist Dein Klient?

Erwachsener oder Kind? Im Business Kontext oder beim privaten Lebenscoaching? Passe Deine Sprache bzw. den Rahmen der Frage entsprechend an. Sprichst Du z.B. mit einem Kind, kannst Du von einer guten Fee sprechen, die im Schlaf den Wunsch erfüllt hat.

 

  1. Bewusstsein um die Schwierigkeit für manche Klienten.

Vielen Menschen fällt es schwer, sich auf die Antwort dieser Frage einzulassen. Es erfordert Fantasie „auf Knopfdruck“ und ein Teil von uns weiß bereits zu diesem Zeitpunkt, dass diese Antwort dem Bedürfnis hinter dem Bedürfnis gefährlich nah kommt. Die Angst davor (diese Verletzlichkeit aufzudecken) ist manchmal so groß, dass das Unterbewusstsein uns da einen Strich durch die Rechnung macht und erst mal einfach blockiert.

 

  1. Hilf Deinen Klienten, indem Du die Frage gut einleitest.

Das kannst Du machen, indem Du sie als etwas Besonderes ankündigst, wie z.B. „Jetzt kommt eine wahrscheinlich seltsame Frage.“ Oder „Für meine nächste Frage brauchen Sie ganz viel Fantasie.“ Du kannst es aber auch etwas dramatischer gestalten mit „Sind Sie bereit für eine Schlüsselfrage in unserem Coaching?“ So kann Dein Klient sich darauf einstellen, dass nun besondere Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Ausprobieren gefordert sind.

 

  1. Nimm Dir Zeit und schenk sie Deinem Klienten.

Aus eben genanntem Grund brauchen manche Klienten erst eine Weile, um sich zu sortieren, in die Fantasie einzusteigen und die gefragten Veränderungen zu finden. Entspann Dich und lehne Dich zurück, lass den Klienten in Ruhe in sich arbeiten und gib ihm die Zeit, Bilder, Gefühle und Ideen entstehen zu lassen.

 

  1. Einmal im kreativen Fluss, unterstütze die Kreativität und Ideenfindung Deines Klienten zur Lösungsfindung.

Indem Du im Laufe der Beantwortung weitere Fragen stellst (z.B. „Wie oder was noch?“ oder „Was bräuchte es, damit so ein Wunder geschehen könnte?“ oder „Haben Sie in der Vergangenheit schon einmal etwas ähnliches erlebt?“), hilfst Du ihm, der Lösung seines Problems immer näher zu kommen.

 

  1. Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit bewusst machen

Bei Klienten, die sich zuvor machtlos/hilflos/unwirksam gefühlt haben, machst Du ihre Erkenntnisse und Ideen ganz groß, um ihnen ihre Selbstwirksamkeit zu verdeutlichen und sie zum Handeln zu motivieren.

Wann/ in welchen Situationen findet die Wunderfrage also Anwendung?

  • Wenn Du als Coach oder Therapeut das Gefühl hast, dass das bereits formulierte Ziel nicht das wahre Ziel des Klienten ist (Vorsicht! Es geht nicht um die eigenen Wünsche und Ziele, die man für den Klienten sieht, sondern nur um die des Klienten, die ihm selbst noch nicht bewusst sind!)
  • Wenn der Klient von vornherein Schwierigkeiten hat, ein Ziel zu formulieren
  • Wenn sich der Klient in einer gedanklichen und/oder emotionalen Sackgasse befindet
  • Wenn der Klient ein Gefühl von Ohnmacht/ Machtlosigkeit hat

 

Und hier noch etwas zur Entstehung der Methode „Wunderfrage“:

Als bewusstes Einsatzmittel entstanden ist sie in den 80-er Jahren durch Steve de Shazer und Insoo Kim Berg, nachdem sie bei einer Sitzung mit einem Klienten bemerkten, wie hilfreich sie für diesen war, um sich aus einer gedanklichen und emotionalen Sackgasse heraus zu manövrieren.

Die Anekdote ist, dass dieser Klient wohl sagte, dass es ein Wunder bräuchte, um sein Problem zu lösen. Insoo Kim Berg reagierte prompt und fragte, wie es denn wäre, wenn ein Wunder geschehen wäre. Woran er das bemerken würde. So platzte der Knoten des Klienten und er konnte beginnen, sein Problem zu lösen. Steve und Insoo testeten diese Erfahrung mit weiteren Klienten und merkten schnell, dass sie bei den meisten Teilnehmern Erfolg hatte und teilten ihre Erkenntnis mit der Welt.

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